Flüchtlingslager in Ruanda

Unsere Arbeit in der Corona-Krise

Die Corona-Krise stellt die entwickelten Industrienationen vor grosse Herausforderungen, die Anzahl der Todesfälle steigt. Allerdings könnten die Folgen in ärmeren Ländern mit fragilen Gesundheitssystemen weitaus verheerender sein. Plan International setz

COVID-19:Schutz für die SchwächstenDie Arbeit von Plan International Schweiz in der Corona-Krise

Flüchtlinge brauchen Schutz

In Ostafrika fällt COVID-19 in eine bereits sehr schwierige humanitäre Situation. Im Jahr 2019 zählte die Region schätzungsweise 4,6 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende hauptsächlich aus dem Südsudan, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo (DRK) sowie weitere 9,5 Millionen Vertriebene im Südsudan, in Somalia, im Sudan und in Äthiopien. Mehr als die Hälfte dieser Flüchtlinge sind Mädchen und Frauen.

Eine Botschaft von Stefanie Heinzmann

Krisen verschlimmern bestehende Ungleichheiten

Pandemien betreffen Frauen, Mädchen, Jungen und Männer unterschiedlich. Sie können die bestehenden Ungleichheiten für Frauen und Mädchen verschlimmern. Wir achten bewusst darauf, diesen Aspekt in die Hilfe vor Ort einfliessen zu lassen.

Warum Mädchen und junge Frauen in Ostafrika jetzt Schutz brauchen:

  • Geschlechtsspezifische Gewalt: Während der Quarantäne nimmt sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt zu Hause stark zu. Zudem sind es meistens die Mädchen und Frauen, die Wasser und Brennholz zum Kochen und zur Aufrechterhaltung der Hygiene gegen die Übertragung von COVID-19 beschaffen. Dabei legen sie weite Strecken zu Fuss zurück und sind erhöhtem Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.
  • Limitierte Gesundheitsversorgung: Während Epidemien werden häufig Ressourcen von der routinemässigen Gesundheitsversorgung abgezogen. Dadurch wird der ohnehin schon limitierte Zugang vieler Mädchen und junger Frauen zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdiensten weiter eingeschränkt. Der erhöhten Nachfrage von Dienstleistungen im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt wird nicht Rechnung getragen.
  • Erhöhtes Infektionsrisiko: Die Mehrheit des Gesundheitspersonals einschliesslich der freiwilligen GesundheitshelferInnen in den Gemeinden, sind Frauen. Auch in den Familien sind es meistens die Mädchen und Frauen, die kranke und ältere Menschen betreuen und dem Virus somit stärker ausgesetzt sind.
  • Doppelbelastung und limitierter Zugang zu Information: Krankheitsausbrüche erhöhen die Pflichten von Mädchen und jungen Frauen bei der Betreuung von älteren und kranken Familienmitgliedern sowie von Geschwistern, die nicht zur Schule gehen. Die Doppelbelastung erschwert den Zugang zu aktuellen Informationen.
  • Fehlendes Einkommen: Die Existenzgrundlage vieler Frauen ist stark gefährdet, da sie hauptsächlich im informellen Sektor und im Kleingewerbe tätig sind. Mit einem Lockdown ist die Erzielung eines Einkommens nahezu unmöglich. 

Unsere Hilfe in der Corona-Krise

Plan International ist Implementierungspartner des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) und arbeitet derzeit mit Flüchtlingen und Vertriebenen in Malawi, Ägypten, Sudan, Kenia, Ruanda, Sambia, Mosambik, Äthiopien, Somalia und Tansania. 

Wir treffen Massnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Flüchtlingslagern und Vertriebeneneinrichtungen in 10 Ländern im östlichen und südlichen Afrika. Das Programm hat zum Ziel, die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Status von vertriebenen Frauen und Mädchen, die normalerweise unverhältnismässig stark von Krisen betroffen sind, zu verringern.

Mit diesen Massnahmen schützen wir Flüchtlinge in Ostafrika

  • Bereitstellung von Handwasch- und Menstruationshygienesets an Mädchen und weibliches Gesundheitsfachpersonal inklusive Informationen über COVID-19 und Zugang zu Hotlines und Beratung bezüglich geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller und reproduktiver Gesundheit.
  • Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitspersonal in den Gemeinschaften mit Desinfektionsmitteln und persönlichen Schutz-Sets (Gesichtsmasken, Handschuhe, Kittel)
  • Zusammenarbeit mit Behörden für die Aufrechterhaltung wesentlicher Gesundheitsdienstleistungen für Mädchen und Frauen (sexuelle und reproduktive Gesundheit, Gesundheitsdienste für Mütter, Neugeborene und Kinder, etc.)
  • Mobilisierung von Jugendlichen, inkl. Mädchen, zur gegenseitigen Unterstützung und Verbreitung von Schlüsselbotschaften durch SMS, WhatsApp-Gruppen, soziale Medien und Radio
  • Mobilisierung von Jungen und Männern als «Change Agents», die Frauen und Mädchen mit häuslichen Aufgaben wie Wasser- und Brennholzbeschaffung, Alten- und Krankenpflege entlasten
  • Zusammenarbeit mit Gesundheits- und Schutzzentren zur Bereitstellung psychosozialer Unterstützung via Hotlines
  • Sensibilisierungskampagne zur Bekämpfung häuslicher Gewalt und zur Unterstützung, mit dem durch COVID-19 verursachten Stress und der Angst umgehen

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass in der Corona-Krise niemand vergessen wird. 

COVID-19 - ein Test für die Menschlichkeit