Junge Aktivistinnen bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Senat. Photo: Plan International
12.06.2026 - von Plan International

Kolumbien: Erstes Land der Amerikas, das FGM gesetzlich verbietet

Kolumbien ist das erste Land in Amerika, das ein Gesetz verabschiedet hat, das die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) ausdrücklich verbietet, nachdem der Kongress den Gesetzentwurf „Mädchen ohne weibliche Genitalverstümmelung“ (Niñas sin Mutilación Genital Femenina) gebilligt hat. Plan International begrüsst die Verabschiedung des Gesetzentwurfs 440 als Meilenstein für die Rechte von Mädchen in Kolumbien. Das Gesetz muss nun noch vom Präsidenten unterzeichnet werden, bevor es in Kraft treten kann.

«Mädchen in Kolumbien haben das Recht, frei von Gewalt und von Praktiken aufzuwachsen, die ihrem Körper und ihrer Zukunft schaden. Diese Verabschiedung sendet eine klare Botschaft seitens des kolumbianischen Staates und von uns allen, die wir gemeinsam mit den Gemeinden auf diesen Moment hingearbeitet haben. Zusammen mit dem Gesetz vom letzten Jahr zur Beendigung der Kinderheirat markiert dies einen echten, hart erkämpften Fortschritt für die Rechte von Mädchen in diesem Land», sagte Ángela Anzola, Präsidentin von Plan International in Kolumbien.

FGM ist eine schwere Form geschlechtsspezifischer Gewalt, die das Recht von Mädchen auf Gesundheit, körperliche Unversehrtheit und Würde verletzt. Weltweit haben 230 Millionen Mädchen und Frauen diese Praxis erlebt. In Kolumbien wurden durch die Überwachung durch Kongressabgeordnete und nationale Institutionen seit 2023 mehr als 100 Fälle identifiziert, was die dringende Notwendigkeit von Präventions- und Schutzmassnahmen unterstreicht.

Zwischen Januar 2024 und März 2026 wurden in Kolumbien laut dem Sistema Integrado de Información sobre Violencias de Género (SIVIGE) 98 Fälle von Mädchen registriert, die von FGM betroffen waren. Mehr als die Hälfte, nämlich 56 %, betrafen Mädchen im Alter von fünf Jahren und jünger.² Nur 14 der 32 Departamentos Kolumbiens haben in diesem Zeitraum Fälle gemeldet, was auf eine erhebliche Untererfassung im ganzen Land hindeutet.

Massnahmen zur Prävention, Bekämpfung und Beseitigung

FGM in Kolumbien steht im Zusammenhang mit weiterreichenden sozialen Faktoren, darunter schädliche Geschlechternormen und Hindernisse für eine umfassende Sexualaufklärung. Ihre Beseitigung erfordert einen respektvollen Ansatz, der unterschiedliche Kontexte berücksichtigt und fest in den Menschenrechten verankert ist. Während die Praxis vor allem in einigen Emberá-Gemeinschaften dokumentiert wurde, ist es wichtig zu beachten, dass nicht alle Emberá-Gemeinschaften FGM praktizieren und viele sich durch Prozesse interkultureller Reflexion und gemeinschaftsgeführter Veränderung davon abgewandt haben.

Der verabschiedete Gesetzentwurf verfolgt einen nicht-strafenden Ansatz. Anstatt Familien oder Gemeinschaften zu kriminalisieren, zielt er darauf ab, sie als Partner des Wandels einzubeziehen, indem er Massnahmen zur Prävention, Bekämpfung und Beseitigung von FGM im ganzen Land ausdrücklich definiert. Der Gesetzentwurf legt eine dauerhafte öffentliche Politik zur Prävention und Betreuung fest, stärkt das nationale Gesundheitssystem durch Nachsorge und Überwachung und schafft ein Betreuungsprotokoll für betroffene Mädchen und Frauen. Er schreibt zudem Aufklärungskampagnen vor, die die Perspektiven der Geschlechtergleichstellung, der Interkulturalität und der Menschenrechte zusammenführen.

Die Rolle von Plan International

Plan International unterstützte den Gesetzentwurf durch Foren, darunter Frühstückstreffen mit Senator:innen und ihren Teams in Kolumbien, um das Bewusstsein zu schärfen und konzeptionelle sowie technische Beratung zur Beseitigung dieser schädlichen Praxis zu leisten. Gemeinsam mit anderen Organisationen finanzierte Plan International die Logistik für die Teilnahme von weiblichen Führungskräften der Gran Nación Emberá an Konsultationsforen des Senats, um sicherzustellen, dass ihre Stimmen in den Gesetzentwurf einflossen.

Plan International arbeitet seit vielen Jahren mit Familien, Gemeinschaften und anderen Organisationen in Kolumbien zusammen, um Verstösse gegen Kinderrechte zu beenden. Die Verabschiedung dieses Gesetzesentwurfs ist ein wichtiger Schritt nach vorne, und es sind weitere Massnahmen erforderlich, um schädliche Geschlechternormen in Frage zu stellen und einen dauerhaften Wandel sicherzustellen.

 


  • UNICEF: Weltweit sind schätzungsweise 230 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen (2024). 
  • Der Gesetzentwurf ist unter der Nummer 018 (Repräsentantenhaus, 2024) und unter der Nummer 440 (Senat, 2025) registriert. Er wurde vom Kongress einstimmig verabschiedet.
  • Wichtigste Bestimmungen: nationales Verbot von FGM, Schaffung einer öffentlichen Politik, nationales Versorgungsprotokoll, Stärkung der Gesundheitsüberwachung und Aufklärungskampagnen mit einem rechtsbasierten Ansatz. 
  • Im November 2024 hob Kolumbien das Mindestheiratsalter von 14 auf 18 Jahre an und beendete damit die Kinderheirat.