World Humanitarian Day
18.08.2022 - von Plan International

Welttag der humanitären Hilfe: Einsatz in Krisengebieten

Zum Wettag der humanitären Hilfe erzählt Dr. Unni Krishnan, Globaler Direktor für humanitäre Hilfe bei Plan International, von seinen Begegnungen mit Helfer:innen an vorderster Front. Mit Mitgefühl, Solidarität und Pragmatismus, leisten sie unverzichtbare Hilfe wo auch immer Krisen entstehen und Menschen Unterstützung benötigen.


Dr. Unni Krishnan
Dr. Unni Krishnan, Globaler Direktor für humanitäre Hilfe, Plan International

Im vergangenen Oktober, als sich die Hungerkrise in Äthiopien rasant entwickelte, hatte ich die Möglichkeit, mit Aynalem Bizuayehu zu reisen. Aynalem arbeitet seit über 10 Jahren mit Plan International in der Region Amhara. Ihre Arbeit ist sowohl einzigartig als auch entscheidend: Sie ist Mitglied unseres Teams, das an vorderster Front auf die Hungerkrise reagiert.

Aynalem erzählte mir, dass sie schon immer Kindern helfen wollte. Jeden Tag bringt sie unsere Teams und Hilfsgüter dorthin, wo ihre Unterstützung am dringendsten benötigt wird, meist in schwer zugängliche und abgelegene Dörfer. Es gibt Tage, an denen sie über 400 km bei jedem Wetter und in jedem Gelände zurücklegt. Die Hungerkrise und der Konflikt haben ihre Arbeit nur noch schwieriger und ihre Tage noch länger gemacht. Ohne ihren Beitrag könnten sich unsere Hilfsteams und Hilfsgüter nicht bewegen.

Mitgefühl, Solidarität und Pragmatismus

Der Welttag der humanitären Hilfe ist ein Anlass, die wertvolle Arbeit von humanitären Helfern wie Aynalem zu würdigen. Er ist auch ein Moment, um über universelle Werte zu reflektieren, die den Kern der humanitären Aktion bilden: Mitgefühl, Solidarität und Pragmatismus. Ich habe gesehen, wie sie grenzüberschreitend von Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter, Religionen und Hintergründe gelebt werden, die alle von der festen Überzeugung geleitet werden, dass wir alle Menschen sind und uns als solche gegenseitig unterstützen müssen.

Die Welt befindet sich in einer beispiellosen Hungerkrise, in der Millionen von Kindern jede Nacht hungrig zu Bett gehen - eine Krise, die sich durch Konflikte, den Zusammenbruch des Klimas und die Folgen der COVID19 Pandemie noch verschärft. Bis Ende 2021 waren weltweit 89,3 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben worden. Davon waren über 27 Millionen Flüchtlinge. Die Eskalation des Konflikts in der Ukraine hat diese rekordverdächtigen Zahlen weiter in die Höhe getrieben mit 5,8 Millionen weiteren Geflüchteten.

Und doch haben wir eine Welle der Solidarität in Form von koordinierter Flüchtlingshilfe erlebt, bei der Regierungen ihre Grenzen und einfache Menschen ihre Herzen und Häuser geöffnet haben. Ich denke dabei an die Türkei, Kolumbien, Uganda, Pakistan, Deutschland und Polen - einige der Länder, die die grösste Anzahl von Schutzsuchenden aufnehmen.

In Kriegen, Katastrophen und Notsituationen gibt es hunderte von Aufgaben zu erledigen, und es ist ganz natürlich, dass wir uns dabei teilweise wie gelähmt fühlen. Aynalem in Äthiopien erzählte mir, dass ihre grössten Sorgen nicht das Ausmass einer noch nie dagewesenen Hungerkrise oder die Gewalt des Konflikts sind, sondern viel praktischere Herausforderungen wie eine Reifenpanne oder Treibstoffmangel, die den Transport von Hilfsgütern und Teams verzögern könnten. Der Pragmatismus der Freiwilligen und der lokalen und basisnahen Organisationen hilft uns oft, darüber nachzudenken, warum der humanitäre Sektor existiert und wie wir relevant bleiben können.

Einfache Menschen werden zu Held:innen

Die Fähigkeit der Welt, auf Katastrophen und Kriege zu reagieren, hängt seit jeher von den Menschen vor Ort ab, die im Notfall die ersten Helfer:innen sind. In den letzten Jahren, in denen wir eine Pandemie, Lockdowns und Reiseverbote erlebt haben, haben wir auch gelernt, dass lokale Freiwillige manchmal die einzigen sind, die helfen können.

Für jede Krise, die im Rampenlicht steht, gibt es mehrere Notsituationen, über die nicht berichtet wird und für die nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen. Und für jede hochkarätige Person, die humanitäre Hilfe leistet, gibt es Tausende von humanitären Helfern wie Aynalem - einfache Menschen, die zu "Heldinnen" wurden, als sie sich inmitten einer Krise wiederfanden.

Sie krempeln vor Ort die Ärmel hoch, richten eine Gemeinschaftsküche oder einen sicheren Ort für Kinder ein, transportieren Hilfskräfte oder Materialien oder graben sich tief in die Trümmer, um nach einem Erdbeben oder einem Raketeneinschlag Menschen mit blossen Händen zu retten. Dank ihnen ist die Welt ein sicherer, gerechterer, mitfühlender und fürsorglicherer Ort.

Ihre Spende in den Nothilfe Fonds unterstützt Menschen in Krisengebieten. Herzlichen Dank.

Der Welttag der humanitären Hilfe

Der 19. August ist der Welttag der humanitären Hilfe. Dieser Tag wurde in Erinnerung an den Bombenanschlag vom 19. August 2003 auf das Canal Hotel in Bagdad, Irak, benannt, bei dem 22 Menschen getötet wurden, darunter der oberste humanitäre Helfer im Irak, Sergio Vieira de Mello. Im Jahr 2009 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen diesen Tag offiziell zum Welttag der humanitären Hilfe erklärt.

Manu Konu, Verantwortliche für humanitäre Hilfe
Zentrum für Binnenvertrieben in Burkina Faso

Da immer mehr Menschen durch den Konflikt in Burkina Faso vertrieben werden, haben die Zentren für Binnenvertriebene Mühe, den massiven Zustrom zu bewältigen.