Mädchen Frühverheitung Nepal Girls Empowerment Project Mädchenförderung
01.06.2018

Nepalesinnen sind auf dem Vormarsch

Dass Frauen gleich viel wie Männer können, steht für uns ausser Frage. In Nepal ist das aber für viele Menschen eine ungewohnte Vorstellung. Mit dem «Girls Empowerment Project» arbeiten wir daran, dass ein Umdenken stattfinden kann und Frauen in Nepal selbst über ihr Leben bestimmen können.

Im neunmonatigen Kurs geben die Mädchen ihrer Lehrerin ein Versprechen ab: Sie werden nicht vor ihrem 18. Lebensjahr heiraten.

«Wenn Frauen gefördert werden, bringt das die gesamte Gemeinde voran.» Noch immer sind solche Worte eine Seltenheit, wenn sie in Nepal von einem Mann ausgesprochen werden. Doch dank unserem «Girls Empowerment Project» findet gerade bei ihnen ein Umdenken statt. Aber nicht nur das: Familien und ganze Gemeinden erkennen, dass Mädchen und Frauen wichtig in der Entwicklung der gesamten Gemeinschaft sind. Gleichzeitig entwickeln die Teilnehmerinnen wichtige Fähigkeiten, um selbstbestimmt durchs Leben zu schreiten. 

Töchter schulen Mütter 

In einem speziellen Programm wird dieses Umdenken gefördert: Während neun Monaten werden Mädchen ihre Rechte vermittelt. Die Themen reichen von Diskriminierung, Kinderheirat, Gewalt aufgrund des Geschlechts bis hin zu Ernährung. Die Teilnehmerinnen werden dazu ermutigt, soziale Probleme innerhalb ihrer Gemeinde anzusprechen, so wie Alkoholmissbrauch oder Gewalt. 

Eine Teilnehmerin erzählt wie sie das Gelernte in ihren Alltag einfliessen lässt: «Ich teile mit meinen Eltern mein neu erworbenes Wissen und versuche sie davon zu überzeugen, dass es keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder des Kastens geben darf.» Das Interesse an diesen Kursen ist gross. Sie sind ständig ausgebucht und es gibt lange Wartelisten, weil sie dermassen beliebt sind. 

Solche Erfolgsgeschichten basieren auf dem Engagement aller Beteiligten und auf dem Inhalt des Projekts.  Das aktuelle «Girls Empowerment Project» basiert auf drei Hauptpfeilern: Life Skills (Fähigkeit, angemessen mit Mitmenschen umzugehen und Probleme im Alltag zu bewältigen), Berufsbildung und die Unterstützung bei der Existenzsicherung. 1‘000 Mädchen im Alter von 11 bis 19 Jahren nehmen derzeit am Projekt teil. Unter ihnen befinden sich viele Dalit-Mädchen – ohne Projekte wie dieses haben diese Mädchen kaum eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Denn Gewalt und andere Verbrechen gegen Dalits sind noch immer weit verbreitet und bleiben oft straflos. 

* Dalits: Niedrigkastige und kastenlose Arme, «Unberührbare» in Bangladesch und Nepal. Schenken Sie diesen Kindern Hoffnung.

Das Ganze betrachten

Das «Girls Empowerment Project» zeichnet sich durch den ganzheitlichen Aufbau aus: Einerseits werden junge Frauen in landwirtschaftlichen Tätigkeiten wie Gemüseanbau, Geflügelzucht oder Hausgärtnerei geschult. Die meisten Frauen sind Selbstversorgerinnen. Manche gehen aber noch weiter und steigern ihr Einkommen durch eine Reinvestition und Expansion. Gleichzeitig erwerben die Teilnehmerinnen das nötige Wissen, um eine Buchhaltung zu führen, zu sparen und so später eine Genossenschaft bilden zu können. Sozial schwach gestellte Gemeindemitglieder werden in einer besonderen Form unterstützt. Eine Möglichkeit dafür sind etwa Solarlampen und mobile Ladegeräte. Ohne diese Hilfsmittel mussten die betroffenen Familien zuvor ins Dorf fahren, um ihre Handys zu laden und Studierende konnten abends ohne Elektrizität nicht lernen.


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