Hand eines Mädchens
05.02.2020 - von Michèle Jöhr

Kampf gegen Mädchenbeschneidung: es gibt noch viel zu tun

Mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen in über 30 Ländern wurden einer Form der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) unterzogen. Wenn sich der gegenwärtige Trend fortsetzt, werden bis 2030 jedes Jahr weitere 4,6 Millionen Mädchen beschnitten. 

WAS IST WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG? 

Die weibliche Genitalverstümmelung (Englisch: Female Genital Mutilation, kurz: FGM), die auch als weibliche Beschneidung bezeichnet wird, umfasst alle Eingriffe, die eine teilweise oder vollständige Entfernung der äusseren weiblichen Genitalien oder andere Verletzungen der Genitalorgane aus nicht-medizinischen Gründen beinhalten und meist zwischen dem Säuglingsalter und 15 Jahren durchgeführt werden.

Bei der Praxis handelt es sich um eine Form der geschlechtsspezifischen Gewalt. Sie hat keine gesundheitlichen Vorteile für Mädchen und Frauen. FGM wird in der Regel ohne Erlaubnis und oft gegen den Willen der Mädchen durchgeführt. FGM verletzt so das Recht der Mädchen, wichtige Entscheidungen über ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit zu treffen.

Die weibliche Genitalverstümmelung wird in einer Reihe von afrikanischen Ländern von der Atlantikküste bis zum Horn von Afrika, in Gebieten des Nahen Ostens wie dem Irak und dem Jemen und in einigen Ländern Asiens wie Indonesien praktiziert. In Somalia, Guinea und Dschibuti ist die Praxis mit einem Anteil von etwa 90 Prozent fast universell, während in Kamerun und Uganda nur 1 Prozent der Mädchen und Frauen betroffen sind.

Warum muss die Mädchenbeschneidung abgeschafft werden?

Die Folgen der Mädchenbeschneidung sind schwerwiegend: sie reichen von akuten Komplikationen wie Blutverlust, Kollaps, Infektionen und Schmerzen über schwere langfristige Schädigungen der reproduktiven und sexuellen Organe, chronische Infektionen, erhöhte Gefahr einer HIV-Infektion, schwere Komplikationen bei einer Schwangerschaft, bis hin zu psychischen Störungen. In extremen Fällen kann der Eingriff sogar zum Tod führen.

  • FGM ist geschlechtsspezifische Gewalt
  • FGM stiehlt Mädchen die Zukunft
  • FGM verstärkt die Armut
  • FGM führt oft dazu, dass Mädchen nicht mehr in die Schule gehen 
  • FGM führt zu Kinderheirat und Teenagerschwangerschaft
  • FGM kann traumatisierend sein
  • Junge Menschen kennen ihre Rechte und ihren Körper und wollen die Tradition beenden
  • FGM ist eine Verletzung der Rechte von Mädchen und Frauen

WARUM GIBT ES DIE WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG IMMER NOCH?

  • “Bessere” Aussicht auf Verheiratung
  • Bedürfnis, die weibliche Sexualität zu kontrollieren 
  • Ehre der Familie und soziale Erwartungen 
  • Ritual des Erwachsenwerdens 
  • Höhere Mitgift für Mädchen und Frauen, da sie beschnitten als “keuscher” angesehen werden 
  • Gesetze zum Schutz der Mädchen vor FGM werden nicht durchgesetzt
  • Alle Gründe haben ihre Wurzeln in der Ungleichheit der Geschlechter

WAS UNTERNIMMT PLAN INTERNATIONAL GEGEN DIE WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG? 

Ungleichheit der Geschlechter sowie diskriminierende soziale, kulturelle und religiöse Normen sind Gründe, warum die weibliche Genitalverstümmelung immer noch existiert. 

Das Thema erfordert einen sensiblen Ansatz. Es gilt, Familien, Gemeinschaften, Beschneiderinnen und religiöse Führer davon zu überzeugen, dass FGM für das Ritual vom Mädchen zur Frau nicht notwendig ist und letztlich nicht mehr akzeptiert oder toleriert wird. 

Plan International arbeitet mit Eltern, Gemeindeführern, Regierungsbehörden und Kindern und Jugendlichen zusammen, um das Bewusstsein zu schärfen, Verhalten zu verändern und schädliche traditionelle Praktiken zu beenden. Wir setzen uns dafür ein, die weibliche Genitalverstümmelung zu beenden, damit Mädchen über ihre eigene sexuelle und reproduktive Gesundheit und ihr Wohlbefinden selbst entscheiden können

Plan International Schweiz setzt sich in der Provinz Tharaka-Nithi in Kenia seit 2017 gegen FGM ein – mit Erfolg: der am meisten angesehene Dorfältesten-Rat der Region bekämpft die Praxis aktiv.  


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