Maysa klärt in ihrer Gemeinde Mütter und Kinder über die Folgen weiblicher Genitalverstümmelung auf und unterstützt Mädchen ihre Rechte zu kennen und für sie einzustehen. Foto: Plan International
04.02.2026 - von Plan International

FGM Sensibilisierungsarbeit in Ägypten: «Lasst euch nicht entmutigen»

Die 23-jährige Maysa aus Ägypten arbeitet seit zwei Jahren als Vermittlerin beim Projekt «Unsere Gesundheit, unsere Entscheidung» von Plan International und unterstützt Mädchen, Jugendliche und Mütter. Sie beschreibt, wie diese Programme ihr Selbstvertrauen gestärkt und ihr geholfen haben, Ängste und Unsicherheiten zu überwinden. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Durchführung von Sensibilisierungsveranstaltungen zu den Rechten von Mädchen, weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) und Kinderheirat. Sie hat Mütter, die ihre Töchter einer FGM unterziehen wollten, erfolgreich davon überzeugt, davon Abstand zu nehmen. 

«Mein Name ist Maysa, ich bin 23 Jahre alt und lebe in Ägypten. Vor zwei Jahren kam ich durch das Gesundheitsprogramm für Teenager zum ersten Mal mit Plan International in Kontakt. Die Teilnahme hat mich sehr geprägt. Erstens hat es mein Selbstvertrauen gestärkt. Zweitens hat es die Barrieren der Angst, Unsicherheit und Sorge abgebaut und mir geholfen, selbstbewusst zu sprechen. Ich habe neue Dinge gelernt, wie Teamarbeit, Teilen und Teamgeist, und ich habe neues Wissen erworben. Ich habe gelernt, dass Mädchen über ihre Rechte aufgeklärt werden sollten, damit sie wissen, dass sie eine Stimme in der Gesellschaft haben, die gehört werden muss.

Ich gebe das, was ich bei Plan International gelernt habe, weiter, indem ich Aufklärungsveranstaltungen für Teenager im Alter von 10 bis 19 Jahren durchführe. Ich kläre sie über ihre Rechte und Pflichten auf und ermutige sie, sich zu äussern. Wir erstellen auch Aufklärungsvideos, da diese für Kinder in einem bestimmten Alter nützliche Lehrmittel sind.

Aufklärung durch Sensibilisierungsarbeit

Eine meiner Aufgaben ist es, Veranstaltungen für Mütter zu organisieren. Ich spreche über FGM und Kinderheirat, was ihre Einstellung stark verändert hat. Eine Mutter, die ihre Tochter einer FGM unterziehen wollte, hat nach der Teilnahme an den Veranstaltungen ihre Meinung geändert. Dies hat direkt zum Ende von FGM und Kinderheirat in der Gemeinde geführt und das Bewusstsein für das Recht von Mädchen auf Bildung geschärft. 

Ich leite auch Sensibilisierungssitzungen für Kinder. Ich bringe ihnen bei, dass sie nicht zu jung sind und das Recht haben, sich zu äussern und gegen Kinderheirat mit all ihren Nachteilen zu protestieren. Eines der wichtigsten Probleme, mit denen Mädchen in unserer Gesellschaft konfrontiert sind, ist Belästigung. Wenn wir auf der Strasse gehen, sind wir nicht völlig frei. Selbst wenn wir die «richtige» Kleidung tragen, werden wir trotzdem belästigt. Wenn wir dann belästigt werden, können wir uns nicht äussern, um zu erklären, was passiert ist. Man gibt immer uns die Schuld und sie sagen: «Das liegt an deinem Make-up.» Selbst, wenn wir kein Make-up tragen, werden wir immer noch belästigt. Wenn ich meinen Eltern erzähle, was passiert ist, sagen sie mir, dass ich nicht mehr alleine ausgehen darf. Sie sagen mir, ich solle nichts erwidern, wenn mich jemand belästigt, und dass ein Mädchen respektvoll sein und nichts sagen sollte. So läuft das. 

Meine Mutter hat mir immer gesagt, ich solle nichts sagen, wenn ich belästigt werde. Einmal hat ein Mann versucht, mich zu berühren, also habe ich ihn geschlagen. Als ich das tat, sagten die Leute um mich herum: «Betrachte ihn als deinen Bruder und tu so etwas nicht.» Sie gaben mir die Schuld, niemand war auf meiner Seite. Durch die Vermittlung der Sitzungen für Mütter und Jugendliche konnten wir ihre Einstellung zu FGM ändern. Die Mütter erklärten sich bereit, damit aufzuhören, nachdem sie über die damit verbundenen Schäden und Probleme aufgeklärt worden waren. Wir sagten ihnen, dass Gott uns mit fünf Fingern geschaffen hat und dass wir keinen davon abschneiden sollten.

Wir führen auch Aufklärungsgespräche über die Gefahren der Kinderheirat und darüber, dass Mädchen ein Recht auf Bildung haben. Während einer dieser Sitzungen war eine Mutter dabei, die vorhatte, ihre Tochter zu beschneiden. Das Mädchen sollte an der Sitzung teilnehmen, aber ihre Mutter weigerte sich, sie gehen zu lassen, mit der Begründung, dass es sich um ein Gespräch für Erwachsene handele und sie nicht dabei sein sollte. Später, als es eine Veranstaltung zum Thema FGM für Mütter gab, nahm sie daran teil und erfuhr, welche potenziellen Schäden ihrer Tochter durch die Beschneidung entstehen könnten. Nach der Veranstaltung hatte sie ihre Meinung geändert und sagte, dass ihre Tochter ihr sehr viel bedeute.

Grosse Unterschiede bei der Teilhabe von Mädchen und Jungen 

Ich stelle fest, dass sich die Teilhabe von Mädchen von der von Jungen unterscheidet. Das liegt an ihrem Geschlecht. Männer gelten im Allgemeinen als verantwortungsbewusster. Frauen haben möglicherweise andere Lebensumstände, wie zum Beispiel Mutterschaftsurlaub, sodass sie nicht als ebenso verantwortungsbewusst für eine Rolle angesehen werden wie Männer. Jungen und Mädchen haben unterschiedliche Rollen. Das Gleiche gilt für die Gehälter. Jungen werden besser bezahlt als Mädchen. Je älter das Mädchen wird, desto mehr Gefahren drohen ihr. Als sie klein war, konnte sie draussen spielen. Aber je älter sie wird, desto weniger kann sie draussen spielen oder Fahrrad fahren. Ihr wird gesagt, dass sie bestimmte Dinge nicht tun darf. Ihr wird gesagt, dass sie bestimmte Kleidung nicht tragen, sich nicht schminken und nicht arbeiten darf. Als wir klein waren, träumten wir davon, Ärztinnen oder Ingenieurinnen zu werden. Aber wenn wir älter werden, verschwinden diese Möglichkeiten. 

Für meine Gemeinschaft wünsche ich mir, dass Teenager ihre Freizeit bestmöglich nutzen und wir ihnen nützliche Dinge beibringen können. Wir könnten ihnen zum Beispiel kostenlose Kurse anbieten, in denen sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln können. Das wäre besser, als mit den falschen Leuten herumzuhängen, zu rauchen und sich selbst zu schaden, was letztendlich zu ihrem Tod führen könnte. Die Gesellschaft meiner Träume ist eine, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Sie erkennt die Fähigkeiten von Frauen an und betrachtet sie als erfolgreiche und intelligente Menschen. Wenn eine Frau an etwas glaubt, wird sie es auch erreichen. Aus meiner Sicht kann Plan International Aufklärungsvideos und Veranstaltungen zum Thema Mobbing und Belästigung anbieten. Jungen muss beigebracht werden, Mädchen wie Schwestern zu behandeln, und dass alles, was für sie inakzeptabel ist, auch für Mädchen inakzeptabel ist.

In den nächsten 10 Jahren möchte ich weiterhin in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein. Ich möchte jede Frau darüber informieren, dass sie ihre Ziele und Träume erreichen kann und dass jede von uns etwas Schönes in sich trägt, das wir annehmen müssen. Mein Rat an Mädchen und Jungen lautet: Lasst euch nicht entmutigen. Für mich war es sehr hilfreich, über meine Rechte und Pflichten Bescheid zu wissen und zu erfahren, dass meine Stimme gehört wird.


Über das Projekt

Das Projekt «Our Health, Our Decision» (Unsere Gesundheit, unsere Entscheidung) von Plan International in Ägypten unterstützt Mädchen und junge Frauen dabei, fundierte Entscheidungen über ihren Körper und ihre Zukunft zu treffen. Dazu verschafft es ihnen Zugang zu Gesundheitsdiensten und Lebenskompetenzen sowie Entscheidungsbefugnis. Das Projekt bekämpft schädliche Praktiken wie Kinderheirat und weibliche Genitalverstümmelung und steht im Einklang mit nationalen Gesundheitsstrategien, um zu einem gesünderen und gleichberechtigteren Ägypten beizutragen.