Heute, am 3. Juli, sind 1000 Tage seit den Angriffen vom 7. Oktober 2023 in Israel und der darauffolgenden Eskalation des Krieges vergangen, der das Leben in Gaza, im Westjordanland und in Israel zerstört hat. Die menschlichen Verluste sind katastrophal: Bei den Anschlägen vom 7. Oktober kamen in Israel über 1200 Menschen ums Leben, und seit Kriegsbeginn wurden in Gaza mehr als 73.000 Todesopfer gemeldet.
Trotz des im Oktober 2025 verkündeten Waffenstillstands zahlen Kinder in Gaza und im Westjordanland weiterhin einen hohen Preis. Laut einem UN-Bericht, der sich auf das Gesundheitsministerium von Gaza beruft, wurden seit Oktober 2023 über 173 000 Menschen verletzt. Unter den Getöteten wurden mehr als 21 000 Kinder identifiziert, was die verheerenden Auswirkungen des Konflikts auf junge Menschen unterstreicht.
«Seit dem Waffenstillstand im Oktober sollen mehr als 1000 Menschen, darunter 265 Kinder, getötet worden sein. Ein Waffenstillstand, der Kinder nicht am Leben erhalten kann, ist ein Misserfolg», sagte Dr. Unni Krishnan, globaler Direktor für humanitäre Hilfe von Plan International.
Er fügte hinzu: «Kinder sollten nicht auf dem Weg zur Schule, in ihren Häusern oder bei dem Versuch, an Lebensmittel und Hilfe zu gelangen, getötet werden. Doch für viele Kinder in Gaza sind Angst, Verlust und Vertreibung nach wie vor tägliche Realität. Sie verlieren weiterhin Eltern, sie leben weiterhin in Zelten – bei eisigen Wintertemperaturen und sengender Sommerhitze. Es gibt keine Spielplätze und kein Spielzeug.
«Kinder sollten sicher zur Schule gehen können, ohne ihr Leben zu riskieren. Erst kürzlich wurde die 16-jährige Raghad Ashour auf dem Weg zu einer Prüfung in Gaza-Stadt getötet.Mehr als 637 000 Kinder haben weiterhin keinen Zugang zu Bildung, da 93 Prozent der Schulen zerstört oder beschädigt sind. Seit der Verkündung des Waffenstillstands wurden keine neuen Häuser, Schulen oder Krankenhäuser gebaut.
«Ihre Kindheit wird ihnen nach wie vor durch Gewalt geraubt. Die Welt darf dies nicht als normal hinnehmen. Kinder müssen geschützt werden, der Waffenstillstand muss halten, und alle Parteien müssen den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe gewährleisten und ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht nachkommen. Was die Kinder in Gaza dringend brauchen, sind Sicherheit, Würde und ein echter Weg zur Genesung. Das bedeutet nicht nur, die Gewalt zu beenden, sondern auch in den Wiederaufbau von Gaza zu investieren, einschliesslich seines zerrütteten Bildungs- und Kinderschutzsystems, damit sich die Kinder erholen und entfalten können.»
Drei Jahre Konflikt und Vertreibung
Für die Kinder in Gaza sind 1.000 Tage nicht nur eine Zahl, sondern fast drei Jahre, geprägt von Konflikt, Vertreibung und einem Waffenstillstand, der auf dem Papier mehr gilt als im täglichen Leben. Wir müssen die tiefe Tragödie des Verlusts anerkennen, die die Kinder in Gaza mit sich tragen. Ohne nachhaltige Unterstützung werden diese Narben ein Leben lang bleiben.
Der Partner von Plan International in Gaza unterstützt Islam, eine Mutter von fünf Kindern. Vor der Eskalation des Konflikts lebte Islam mit ihrem Mann in einem Haus im Norden Gazas. «Mein Haus war einfach … aber für mich fühlte es sich wie der Himmel an», sagt sie. Dieses Leben endete, als der Krieg ausbrach. In weniger als drei Jahren wurde Islam zwanzig Mal vertrieben. Ihr Mann wurde getötet. Bei einer Vertreibung nahm sie Abschied von ihrer eigenen Mutter; sie flohen in verschiedene Richtungen, und Islam sah sie nie wieder.
Heute hält Islam ihre Familie zusammen und stützt sich auf humanitäre Hilfe, um ihre fünf Kinder zu versorgen. Was sie am Leben hält, sagt sie, ist zu sehen, wie sie wieder zur Schule gehen: «Ich sehe, wie sie wieder zu alter Leistungsfähigkeit zurückfinden, und ich erhalte Nachrichten von Lehrern, die sie loben und mir dafür danken, dass ich sie unterstütze. Diese Nachrichten geben mir Kraft und geben mir das Gefühl, dass ich es trotz allem geschafft habe, wieder auf die Beine zu kommen.»
Wenn eine Familie in weniger als drei Jahren zwanzig Mal umziehen muss, ist das kein Leben, sondern ein verzweifelter Kampf ums Überleben. Trotz des Krieges und des Leids wagen Kinder es, zu träumen – wie der elfjährige Zuhair, der Ingenieur werden möchte, «um die zerstörten Häuser wieder aufzubauen».
Plan International leistet weiterhin lebensrettende Hilfe durch vertrauenswürdige lokale Partnerorganisaitionen in Gaza und im Westjordanland und setzt sich weiterhin für prinzipientreue humanitäre Hilfe für Kinder und alle Zivilisten in den besetzten palästinensischen Gebieten ein.
Plan International fordert alle beteiligten Parteien auf, ihren Verpflichtungen gemäss dem humanitären Völkerrecht nachzukommen und Zivilisten sowie zivile Infrastruktur zu schützen. Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um einen nachhaltigen, planbaren und ungehinderten humanitären Zugang zum Gazastreifen zu gewährleisten. Kinder und alle Zivilisten können nicht warten.