Ihre Patenschaft in Ruanda unterstützt nachhaltig Projekte zur frühkindliche Förderung.
Ihre Patenschaft in Ruanda unterstützt nachhaltig Projekte zur frühkindliche Förderung. © Plan

Patenschaften und Spenden für Kinder in Ruanda

1990 brach in Ruanda ein Bürgerkrieg aus, 1993 beruhigte sich die Lage zunächst. Ein Jahr später wurde mit dem Abschuss des Flugzeugs des Präsidenten Habyarimana ein Völkermord ausgelöst. In drei Monaten wurden bis zu eine Million Tutsi und oppositionelle Hutu getötet. Heute sind 50 Prozent der ruandischen Bevölkerung unter 18 Jahre alt. Wir von Plan International setzen uns für die Kinder und Jugendlichen in Ruanda ein und machen auf Kinderschutz und -rechte aufmerksam.

Ein Überblick

Patenschaften und Spenden für Kinder in Ruanda
Republik Ruanda

Ruanda liegt in Ost-Zentralafrika knapp südlich des Äquators und gehört zu den kleinsten Ländern des Kontinents. Ruanda wird auch das „Land der tausend Hügel“ genannt, da besonders der Nordwesten aus einer hügeligen Berglandschaft besteht. Im Westen, an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, liegt der große Kivu-See. Es herrscht ein mildes und feuchtes Klima mit jährlich zwei Regenzeiten. Über mehrere Jahrhunderte existierte in dem Gebiet des heutigen Ruanda eine Monarchie. Mit der Entwicklung des Staates bildete sich allmählich eine herrschende Elite von Viehbesitzern (Tutsi) heraus.

Die soziale Gruppe der Hutu bildete die Bevölkerungsmehrheit und lebte traditionell von der Landwirtschaft. Während der Kolonialzeit wurden die Tutsi systematisch als herrschende Schicht unterstützt. Dies führte zu Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutsi. 1962 wurde Ruanda unabhängig und in den Folgejahren gab es vermehrt Angriffe und Massaker an der Tutsi-Bevölkerung. 1990 brach ein Bürgerkrieg aus, 1993 beruhigte sich die Lage zunächst. Ein Jahr später wurde mit dem Abschuss des Flugzeugs des Präsidenten Habyarimana der Völkermord ausgelöst. In drei Monaten wurden bis zu eine Million Tutsi und oppositionelle Hutu getötet.

Wirtschaft und Infrastruktur brachen vollkommen zusammen. Nach Ende des Völkermords konstituierte sich eine Übergangsregierung. Ruanda ist das Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte in Afrika. Fast 50 Prozent der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Es gibt nur wenig Industrie. Ein Großteil der Menschen lebt auf dem Land und ist von Subsistenzlandwirtschaft – dem Anbau für den eigenen Bedarf – abhängig.

Zur Situation heute

Bei der Präsidentschaftswahl im August 2010 wurde Paul Kagame für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren gewählt. 45 von 80 Sitzen im Abgeordnetenhaus werden derzeit von Frauen besetzt. Trotz bedeutender wirtschaftlicher Erfolge seit dem Genozid lebt ein Großteil der Bevölkerung weiterhin in Armut.

Plan International in Ruanda

Plan International ist seit 2007 in Ruanda tätig. Im Jahr 2015 erreichten wir mit unserer Arbeit das Umfeld von über 14.000 Patenkindern und ihren Familien. Unsere Programmgebiete sind ländlich geprägt und liegen im Nordosten und Süden des Landes sowie südlich der Hauptstadt Kigali.

Arbeitsansatz von Plan International

Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit und für Kinder zu arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Die Gemeinde trägt Verantwortung für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit gesichert wird, auch nachdem wir die Arbeit in diesem Gebiet beendet haben. Von zentraler Bedeutung ist es daher, überholte Denkweisen zu ändern und die Kompetenzen von Gemeindemitgliedern zu stärken, damit sie sich mit den Herausforderungen ihrer Gemeinden aktiv auseinandersetzen können. Dies trägt dazu bei, strukturelle Kinderarmut zu beseitigen.

Da der Staat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte spielt, arbeitet Plan International mit Regierungsstellen zusammen und unterstützt sie darin, ihre Verpflichtung gegenüber den Gemeindemitgliedern wahrzunehmen und vorhandene Gesetze und Vorgaben umzusetzen. Gleichzeitig informieren wir die Menschen in den Gemeinden über ihre Rechte und bestärken sie darin, diese einzufordern. Wir setzen uns besonders für ausgegrenzte und benachteiligte Kinder ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und den Kreislauf von Diskriminierung, gesellschaftlicher Nichtteilhabe und Kinderarmut durchbrechen können.

Herausforderung: Geringe Bildungschancen und mangelnde Unterrichtsqualität

Auch wenn in Ruanda in den letzten Jahren deutliche Fortschritte im Bildungssektor erreicht worden sind, bestehen nach wie vor große Herausforderungen. Die Einschulungsrate liegt bei 96 Prozent, doch viele Mädchen und Jungen verlassen die Schule nach wenigen Jahren wieder. Viele Familien können die Kosten für Schuluniformen und Schulmaterialien nicht aufbringen.

Statt zur Schule zu gehen, müssen die Kinder ihren Eltern oft helfen, Geld zu verdienen. Auf langen Schulwegen sind die Mädchen und Jungen der Gefahr von Gewalt und Missbrauch ausgesetzt. Auch an Schulen treten immer wieder Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Mädchen auf. Ein Großteil der Mädchen und Jungen in Ruanda ist kaum über sexuelle Gesundheit aufgeklärt. Viele Menschen sind der Ansicht, dass ein Schulabschluss für Mädchen weniger wichtig sei. Die Klassenzimmer sind überfüllt und es fehlt an qualifizierten Lehrkräften. Der Lehrplan und die Unterrichtsmethoden sind nicht kindgerecht.

Plan-Programm: „Das Recht auf Zugang zu qualifizierter und inklusiver Bildung“

Ziel ist, dass Mädchen und Jungen Zugang zu einer qualifizierten Grund- und weiterführenden Schulbildung erhalten und die Inklusion an Schulen gefördert wird. Plan International unterstützt Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer zu innovativen und kindgerechten Unterrichtsmethoden. Eltern-Lehrer-Vereine werden gestärkt und zum Thema Schuladministration weitergebildet. Um ein geeignetes Lernumfeld zu schaffen, helfen wir die Infrastruktur an Schulen zu verbessern, zum Beispiel durch sanitäre Einrichtungen.

Wir unterstützen Schulspeisungen und Behandlungen der Schülerinnen und Schüler gegen parasitäre Erkrankungen. Jugendliche werden über sexuelle Gesundheit aufgeklärt. Wir gehen auf die spezifischen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen ein und fördern die Gleichberechtigung in Schulen. Außerdem werden Maßnahmen ergriffen, um sexualisierte Gewalt zu reduzieren. Wir stärken und schulen zivile Organisationen, damit sie bei der Regierung dafür eintreten können, dass mehr Gelder für die Bildung bereitgestellt werden. Plan International setzt sich für die Bildung benachteiligter Kinder und die Inklusion von Mädchen und Jungen mit Behinderungen ein, beispielsweise durch Förderunterricht.

Herausforderung: Fehlende Angebote zur frühkindlichen Bildung

Viele Mädchen und Jungen in Ruanda haben nicht die Möglichkeit, eine Vorschuleinrichtung zu besuchen. Es gibt nicht genügend Kindertagesstätten, zudem fehlt es an Spielsachen sowie Wasser- und Sanitäranlagen. Die Erzieherinnen und Erzieher sind nicht ausreichend qualifiziert und es gibt keinen offiziellen Lehrplan für Vorschulen. Viele Familien können die Gebühren für die Kinderbetreuung nicht aufbringen, daher werden Mädchen und Jungen unter fünf Jahren häufig alleine gelassen, während die Eltern arbeiten. Mangelernährung ist bei Kleinkindern weitverbreitet, was ihrer Entwicklung langfristig schadet.

Plan-Programm: „Das Recht auf frühkindliche Förderung“

Ziel ist, dass Mädchen und Jungen unter sechs Jahren gesund aufwachsen, gut ernährt sind und auf den Besuch der Grundschule vorbereitet werden. Damit mehr Kinder eine qualifizierte frühkindliche Bildung erhalten, setzen wir kostengünstige und vor Ort verfügbare Materialien ein und statten Kindertagesstätten mit Spielplätzen und Spielsachen aus. Die Einrichtungen werden nicht nur für die Kinderbetreuung genutzt, sondern sie dienen auch Jugendlichen und der Gemeinde als Treffpunkt.

Erzieherinnen und Erzieher nehmen an Fortbildungen teil. Darüber hinaus sensibilisieren wir Vertreterinnen und Vertreter des Staates und der Gesellschaft, Mütter und Väter für die Bedeutung der frühkindlichen Förderung. Um den Ernährungsstand von Kindern und stillenden Müttern zu verbessern, werden Mikronährstoffe verabreicht und Behandlungen gegen parasitäre Erkrankungen durchgeführt. Wir unterrichten Eltern über gesunde Ernährung und fördern insbesondere die Beteiligung von Vätern in der Kindererziehung. Zudem macht sich Plan International politisch dafür stark, dass Programme zur frühkindlichen Bildung umgesetzt werden. 

Herausforderung: Geringe Chancen für Jugendliche

Ruanda hat eine junge Bevölkerung: 37 Prozent sind zwischen 15 und 35 Jahre alt. Gerade diese Altersgruppe ist mit zahlreichen sozioökonomischen Herausforderungen konfrontiert. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Dies führt nicht nur zu wirtschaftlicher Unsicherheit, sondern auch zu einer zunehmenden Abwanderung in die Städte, zu sozialer Ausgrenzung und einem geringen Selbstwertgefühl der Jugendlichen. Das Ackerland ist knapp, während die Bevölkerung weiter wächst.

Da junge Frauen häufig schlechter ausgebildet sind als Männer, ist es für sie besonders schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Wegen der niedrigen Einkommen und der geringen Produktivität in der Landwirtschaft können die Menschen kaum Ersparnisse anlegen. Junge Leute haben selten die Möglichkeit, Kredite zur Existenzgründung aufzunehmen. In gesellschaftliche Entscheidungsfindungsprozesse werden Jugendliche kaum einbezogen. Außerdem wissen sie wenig über sexuelle Gesundheit und den Schutz vor HIV/Aids, Geschlechtskrankheiten und ungewollte Schwangerschaften.

Plan-Programm: „Das Recht der Jugendlichen auf wirtschaftliche Sicherheit und Partizipation“

Ziel ist, dass junge Frauen und Männer in den Plan-Gemeinden ihre wirtschaftliche Situation verbessern und sich aktiv an Entscheidungen beteiligen, die sie betreffen. Plan International organisiert für Jugendliche Schulungen zur Entwicklung von Kleinunternehmen, damit sie neue Einkommensquellen erschließen können. Wir fördern die Gründung von Genossenschaften, die Anwendung erfolgreicher Viehzucht- und Landwirtschaftsmethoden sowie handwerkliche Tätigkeiten. Außerdem setzen wir uns dafür ein, den Zugang zu Berufsausbildungen zu verbessern.

Dabei achten wir besonders darauf, dass die Qualifikationen den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen. Nach erfolgreicher Ausbildung werden die Absolventinnen und Absolventen dabei unterstützt, einen Arbeitsplatz in ortsansässigen Unternehmen zu finden. Damit Jugendliche sich selbstständig machen können, erhalten sie die Möglichkeit, Spar- und Kreditprogramme zu nutzen. Sie werden über den Umgang mit Geld und das Prinzip des Sparens unterrichtet. Junge Frauen können mit Hilfe von Spar- und Kreditvereinen ein eigenes Einkommen erwirtschaften und werden so gestärkt. Darüber hinaus fördern die Vereine den Gemeinschaftssinn in den Dörfern.

Durch Schulungen, Diskussionsrunden und Mediengruppen helfen wir Jugendlichen, sich zu organisieren, ihre Ansichten frei auszudrücken und mehr über ihre Rechte zu erfahren. Gemeinsam mit dem Ministerium für Jugend schaffen wir Foren, um den Einfluss junger Menschen in der Gesellschaft zu erhöhen und ihre bürgerlichen Rechte zu fördern. Eine weitere Komponente des Jugendprogramms besteht darin, Mädchen und Jungen über sexuelle Gesundheit aufzuklären, um sexuell übertragbare Krankheiten, ungewollte Schwangerschaften und sexualisierte Gewalt zu reduzieren.

Herausforderung: Geringer Schutz für Kinder

Ein großer Anteil der Kinder in Ruanda hat keine Geburtsurkunde. Vielen Eltern ist die Wichtigkeit der Geburtenregistrierung nicht bewusst und die Entfernungen zu den Registrierungsstellen sind meist weit. Für nachträgliche Eintragungen in ein Geburtenregister werden hohe Gebühren erhoben. Wenn Mädchen und Jungen nicht registriert sind, haben sie keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge und sind einem höheren Risiko ausgesetzt, in die Hände von Menschenhändlern zu geraten. In der Gesellschaft tief verwurzelte Geschlechterrollen führen zu ungleichen Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen. Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist weit verbreitet. Vor allem Waisen sind von Vernachlässigung betroffen. Aufgrund des bewaffneten Konflikts in der Demokratischen Republik Kongo sind viele Menschen aus dem Nachbarland nach Ruanda geflohen. In den Flüchtlingscamps tritt Gewalt gegen Kinder besonders häufig auf.

Plan-Programm: „Das Recht auf Schutz“

Mit unserem Programm schaffen wir ein sicheres und geschütztes Umfeld für Mädchen und Jungen. Wir helfen den Familien, ihre Kinder nachträglich in ein Geburtenregister eintragen zu lassen, und klären die Gemeinden über die Wichtigkeit von Geburtsurkunden auf. Plan International stattet Registrierungsstellen mit der notwendigen Ausrüstung aus und macht sich mit Lobbymaßnahmen politisch für das Thema stark. Wir informieren in den Gemeinden über Kindesschutz und geschlechtsspezifische Gewalt, stärken lokale Strukturen zum Kindesschutz und helfen den Mädchen und Jungen, ihre Rechte einzufordern, beispielsweise durch eine Hotline für Kinder. Wir führen Maßnahmen durch, um Mädchen und Jungen in Notsituationen zu schützen. Diese Initiative richtet sich vor allem an Kinder in Flüchtlingscamps. Des Weiteren fördern wir die Entwicklung von Gemeindeplänen zur Katastrophenvorsorge, in denen das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht.

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