Ihre Kinderpatenschaft in Äthiopien schützt unter anderem Mädchen vor Gewalt.
Ihre Kinderpatenschaft in Äthiopien schützt unter anderem Mädchen vor Gewalt. © Plan/Tom Sólo

Patenschaften und Spenden für Kinder in Äthiopien

Die äthiopische Wirtschaft ist überwiegend durch Landwirtschaft geprägt. Ein signifi kanter Teil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Am 20. August 2012 verstarb der Premierminister des Landes, Meles Zenawi. Er hatte Äthiopien seit 1995 regiert. Einen Monat später wurde Haile Mariam Desalegn zum neuen Premierminister gewählt.

Ein Überblick

Patenschaften und Spenden für Kinder in Äthiopien
Republik Äthiopien

Äthiopien liegt im Osten, am sogenannten Horn von Afrika. Seit der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 ist das Land ein Binnenstaat. Es grenzt im Norden an Eritrea, im Osten an Dschibuti und Somalia, im Süden an Kenia sowie im Westen an Südsudan und Sudan. Einen Großteil der Landschaft nimmt das zentrale Hochland ein, durch das in südwestlicher Richtung der ostafrikanische Graben verläuft.

Insgesamt herrscht in Äthiopien ein gemäßigtes Klima. Im Nordosten fällt das Land steil ab und mündet im Afar-Dreieck in die Danakil-Senke, eine unberührte Wüsten- und Vulkanlandschaft mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius.

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat mit über 80 Volksgruppen und ebenso vielen Sprachen. Von einer kurzen Besetzungszeit (1936 bis 1941) durch Italien abgesehen, ist Äthiopien das einzige Land in Afrika, welches nie durch die Europäer kolonialisiert wurde. Nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie im Jahr 1974, übernahm eine Militärdiktatur die Macht. Es folgte ein Bürgerkrieg, in dem zahlreiche Widerstandsbewegungen gegen die Militärregierung kämpften und der erst 1991 mit dem Sturz des Regimes endete.

Zur Situation heute

Die äthiopische Wirtschaft ist überwiegend durch Landwirtschaft geprägt. Ein signifikanter Teil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Am 20. August 2012 verstarb der Premierminister des Landes, Meles Zenawi. Er hatte Äthiopien seit 1995 regiert. Einen Monat später wurde Haile Mariam Desalegn zum neuen Premierminister gewählt.

In Äthiopien herrscht die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Die Folgen des Wetterphänomens El Niño und die Auswirkungen des Klimawandels haben vor allem den Norden des Landes getroffen. Über zehn Millionen Äthiopier sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) schon seit mindestens einem Jahr von Lebensmittelverteilungen abhängig, darunter 2,2 Millionen unterernährte Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere oder stillende Frauen.

Plan International in Äthiopien

Plan International arbeitet seit 1995 in Äthiopien und erreichte 2016 das Umfeld von mehr als 30.000 Patenkindern in überwiegend ländlichen sowie einem städtischen Programmgebiet im Norden, Süden und Westen des Landes. In der Programmarbeit legen wir einen besonderen Fokus auf die Stärkung von Mädchen und Frauen und die Reduzierung geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung. Aufgrund der immer wiederkehrenden Nahrungsmittelkrisen bilden die kindzentrierte Katastrophenvorsorge sowie die Nahrungssicherung für Kinder, Schwangere und stillende Frauen weitere Schwerpunkte der Arbeit von Plan International.

Arbeitsansatz von Plan International

Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit und für Kinder zu arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Die Gemeinde trägt Verantwortung für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit gesichert wird, auch nachdem wir die Arbeit in diesem Gebiet beendet haben. Von zentraler Bedeutung ist es daher, überholte Denkweisen zu ändern und die Kompetenzen von Gemeindemitgliedern zu stärken, damit sie sich mit den Herausforderungen ihrer Gemeinden aktiv auseinandersetzen können. Dies trägt dazu bei, strukturelle Kinderarmut zu beseitigen.

Da der Staat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte spielt, arbeitet Plan International mit Regierungsstellen zusammen und unterstützt sie darin, ihre Verpflichtung gegenüber den Gemeindemitgliedern wahrzunehmen und vorhandene Gesetze und Vorgaben umzusetzen. Gleichzeitig informieren wir die Menschen in den Gemeinden über ihre Rechte und bestärken sie darin, diese einzufordern. Wir setzen uns besonders für ausgegrenzte und benachteiligte Kinder ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und den Kreislauf von Diskriminierung, gesellschaftlicher Nichtteilhabe und Kinderarmut durchbrechen können.

Herausforderung: Gewalt gegen Kinder

Kinder und Jugendliche sind in Äthiopien verschiedenen Formen von Gewalt, Missbrauch und schädlichen traditionellen Praktiken ausgesetzt. In vielen Regionen des Landes wird die weibliche Genitalverstümmelung praktiziert. Durch frühe Verheiratung wird ihre Situation oft noch verschärft. Da viele Mädchen schon im Teenageralter schwanger werden, steigt das Risiko für Komplikationen vor und während der Geburt.

Ausgebildete Geburtshelfer oder Hebammen stehen nur rund fünf Prozent der Frauen und Mädchen zur Verfügung. Gerade in ländlichen Regionen fehlt der Zugang zu Gesundheitsdiensten und medizinischer Betreuung. Weit verbreitet sind auch verschiedene Formen der körperlichen Bestrafung - zu Hause durch die Eltern oder durch Lehrer in der Schule. Mädchen sind häufig von sexualisierter Gewalt betroffen. Kulturelle Tabus und geschlechtsspezifische Diskriminierung führen dazu, dass der Missbrauch verheimlicht wird und Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Plan-Programm: „Kinder vor gewalttätigen Praktiken schützen“

Das Programm ist vor allem präventiv angelegt. Gewalt gegen Kinder soll schon im Vorfeld verhindert werden. Deshalb unterstützen wir Strukturen und Netzwerke, die Kinder schützen und insbesondere die Rechte von Mädchen stärken. Dabei geht es zum einen um die Umsetzung von nationalen Kindesschutzgesetzen, zum anderen darum, Familien, gesellschaftliche Gruppen sowie politische und religiöse Autoritäten aufzuklären. Zum Beispiel über die schlimmen Folgen von Genitalverstümmelung, Missbrauch und früher Verheiratung. Für Kinder, die bereits Opfer von Gewalt geworden sind, richten wir an Schulen Beratungsstellen ein.

In speziellen Fortbildungen lernen Lehrerinnen und Lehrer, wie sie betroffene Kinder betreuen und unterstützen können. Darüber hinaus veranstalten wir Schulungen für Gemeindeorganisationen sowie Frauen- und Jugendgruppen, um Kinder und besonders Mädchen besser vor schädlichen traditionellen Praktiken zu schützen.

Unser Programm beinhaltet zudem eine nachhaltige emotionale und psychologische Stärkung von Mädchen und Frauen. Unter enger Einbindung der äthiopischen Bildungsbehörden fördern wir die Einschulung von Mädchen und die qualitative Verbesserung des Schulunterrichts. Außerdem bieten wir berufsbildende Maßnahmen für junge Frauen an und unterstützen sie dabei, finanziell unabhängig zu werden, zum Beispiel mit Hilfe von Mikrokrediten und lokalen Spargruppen.

Herausforderung: Hohe Kinder- und Müttersterblichkeit

In den ländlichen Regionen Äthiopiens gibt es nur sehr wenige Gesundheitsdienste. Die hygienischen Bedingungen sind häufig schlecht und die meisten Menschen wissen zu wenig über Hygiene, Krankheitsprävention und gesunde Ernährung. So sind über 80 Prozent aller Sterbefälle von Kindern unter fünf Jahren auf vermeidbare Krankheiten, mangelhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser und schlechte Sanitärbedingungen zurückzuführen.

In den ländlichen Regionen Äthiopiens besitzen nur zehn Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Ein zusätzliches hohes Gesundheitsrisiko für Kinder birgt die häufig durch Dürren hervorgerufene Mangelernährung. Humanitäre Organisationen gehen davon aus, dass in Äthiopien rund acht Millionen Menschen regelmäßig Hunger leiden und auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Ein Drittel aller Kinder gilt als unterernährt. Auch Frauen sind besonders betroffen. Oft führt ihre schlechte soziale und wirtschaftliche Stellung dazu, dass sie sich und ihre Kinder nicht ausreichend versorgen können. 

Plan-Programm: „Kindern ein gesundes Aufwachsen ermöglichen“

Um die hohe Zahl der Krankheits- und Todesfälle bei Kindern zu senken, arbeiten wir nach dem Ansatz des „integrierten Managements von Kinderkrankheiten“. Dabei geht es sowohl um Krankheitsvorbeugung und medizinische Versorgung als auch um gesundheitliche Aufklärung und die Verbesserung des Lebensumfelds.

Wir unterstützen deshalb die Gesundheitseinrichtungen in den Programmgebieten und liefern Zusatznahrung und Medikamente. So können mangelernährte oder kranke Kinder – aber auch Schwangere, die zusätzliche Nährstoffe benötigen – ausreichend versorgt werden. Unsere Mitarbeiter informieren Frauen und Mütter über gesundheitliche Risiken und reproduktive Gesundheit. Zudem bestärken sie Schwangere, die Geburtshilfe in den lokalen Gesundheitsstationen zu nutzen. In den Gemeinden informieren ehrenamtliche Gesundheitshelferinnen und -helfer über Hygiene, gesunde Ernährung und Krankheitsprävention.

In den Programmgebieten unterstützen wir kontinuierlich den weiteren Ausbau der Wasser- und Sanitärversorgung. Dieser wird insbesondere durch lokale Wasser- und Sanitärkomitees umgesetzt, die aus ehrenamtlich tätigen Gemeindemitgliedern bestehen. Nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe schulen wir die Komitees, damit sie die Versorgung in ihren Gemeinden in Eigenregie weiter ausbauen und aufrechterhalten. In engem Kontakt mit den zuständigen Distriktsbehörden sowie mit Anbietern von Baumaterial und lokalen Handwerkern arbeiten sie eigenverantwortlich für die Verbesserung der Wasser- und Hygienesituation in ihren Gemeinden.

Damit sich die Ernährungssituation in den Familien verbessert, setzen wir uns besonders für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und Müttern ein. Denn vorrangig sind sie es, die für die Ernährung und Gesundheit ihrer Kinder Sorge tragen. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium verschaffen wir den Frauen Zugang zu landwirtschaftlicher Beratung und Schulungen. Dort lernen sie, wie sie ihre Ernteerträge steigern oder neue gewinnbringende Feldfrüchte anbauen und vermarkten können. Zur finanziellen Unterstützung und Absicherung erhalten die Frauen die Möglichkeit, an lokalen Spargruppen teilzunehmen. Hier können sie kleinere Kredite erhalten, zum Beispiel für die Ausbildung ihrer Kinder oder zum Aufbau eigener Kleinstunternehmen. Außerdem bieten wir berufsbildende Maßnahmen für Mädchen und junge Frauen an, die ihnen helfen, für sich und ihre Kinder die Lebensgrundlage zu sichern.

Herausforderung: Niedriger Bildungsstand

Mehr als die Hälfte der Einwohner Äthiopiens kann weder lesen noch schreiben. Obwohl sich die Einschulungsraten in den vergangenen 15 Jahren enorm verbessert haben, brechen nach wie vor viele Kinder den Schulbesuch vorzeitig und ohne Abschluss ab. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen und die Qualität des Unterrichts sind, vor allem auf dem Land, immer noch unzureichend. Die Klassenräume sind häufig in schlechtem Zustand, mangelhaft ausgestattet und überfüllt; auch sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen sind nur begrenzt verfügbar.

Das hohe Ausmaß der Gewalt an Schulen hält vor allem Mädchen vom Schulbesuch ab. Auch die Armut vieler Familien trägt dazu bei, dass Kinder dem Unterricht fernbleiben, weil sie ihren Eltern bei der Arbeit helfen müssen. Angebote für Vorschulbildung oder andere Einrichtungen zur frühkindlichen Förderung existieren lediglich in den Städten. Für Kinder mit Behinderungen ist die Lage besonders schwer. Oft werden sie zu Hause versteckt und haben dadurch keinen Zugang zu Schulbildung oder anderen Förderprogrammen.

Plan-Programm: „Förderung der frühkindlichen Entwicklung und Grundschulbildung“

Gemeinsam mit Partnern unterstützen wir Mütter und Väter von Kindern unter drei Jahren bei der häuslichen Kinderbetreuung und stärken sie in ihren Elternrollen. Ehrenamtliche Gemeindehelfer beraten die Eltern zu Themen wie gesunder Ernährung, der spielerischen Förderung von Kleinkindern und gewaltfreien Erziehung. Für Kinder zwischen vier und sechs Jahren bauen wir in Zusammenarbeit mit Gemeinden und lokalen Behörden Einrichtungen zur frühkindlichen Förderung aus. Zusammen mit Lehr- und Pflegekräften werden altersgemäße Lehrpläne erstellt, die den Kindern einen guten Start in die Grundschule ermöglichen.

Zudem arbeiten wir am kindgerechten Ausbau von Schulen und Klassen und stellen entsprechende Unterrichtsmaterialien bereit. Ziel ist es, sowohl die Qualität des Unterrichts, als auch die Motivation für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zu erhöhen. Regelmäßig finden zudem Fortbildungen statt, die den Lehrern helfen, sowohl ihre Unterrichtsmethoden als auch die Leitung der Klassen weiter zu verbessern. Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist es, zu erreichen, dass mehr Mädchen die Schule besuchen und abschließen. Auch benachteiligte Kinder, wie Jungen und Mädchen mit Behinderungen, sollen einen verbesserten Zugang zu Bildung und Förderung erhalten.

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