Mädchen mit ihrem Sohn und Mann
Keya wurde mit 13 Jahren Mutter. Sie lebt mit ihrem Mann und Sohn in einem Slum in Bangladesch. Wie gefährlich eine Schwangerschaft in solch jungem Alter ist, wusste sie nicht. «Ich hatte sieben Bluttransfusionen und durfte erst nach einer Woche das Krankenhaus verlassen. Ich will keine Kinder mehr haben.», erzählt Keya. Foto: Pieter ten Hoopen/Plan International-UNFPA

Vom Mädchen zur Mutter

Wird ein Mädchen vor ihrem 15. Lebensjahr schwanger, besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und Tod durch Schwangerschaft und Geburt. Oft sind diese Mädchen nicht zur Schule gegangen und wurden bereits verheiratet. Solche Kindermütter sind in nationalen und globalen Statistiken oft unsichtbar und werden bei Entwicklungsmassnahmen übersehen.

Mädchen, nicht Mütter

Wenn Kinder Kinder kriegen

Mehr als zwei Millionen Mädchen werden jedes Jahr vor ihrem 15. Geburtstag Mütter. Ihre Körper sind noch nicht bereit für Schwangerschaft und Geburt. Es sterben jährlich rund 70‘000 Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren an Geburtskomplikationen. Die genauen Zahlen sind jedoch nicht bekannt. Mädchen unter 15 Jahren sind in nationalen und globalen Statistiken nicht sichtbar. Ihr Leben ist weitgehend undokumentiert und wird daher in der Entwicklungspolitik nicht berücksichtigt.

Gründe für frühe Schwangerschaften

Faktoren wie das elterliche Einkommen und der Bildungsgrad eines Mädchens spielen eine wichtige Rolle. Mädchen mit minimaler Schulbildung sind fünf Mal häufiger Mutter als Frauen mit höherem Bildungsstand. Schwangere Mädchen brechen häufig die Schule ab, was die Beschäftigungsmöglichkeiten einschränkt und den Kreislauf der Armut aufrechterhält. In vielen Fällen empfinden Mädchen eine Schwangerschaft als eine bessere Option als eine Weiterbildung. Viele Mädchen wissen aufgrund des Mangels an Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit nicht, wie man schwanger wird.

Ist ein Mädchen bereits verheiratet, wird von ihr erwartet, ein Kind auf die Welt zu bringen. Das ist oft ein Teil der lokalen Kultur. Eltern tun, was sie für das Beste für ihre Töchter halten und was sie in einem bestimmten kulturellen, wirtschaftlichen oder humanitären Kontext als notwendig erachten. Mädchen müssen die Rolle einer Hausfrau und Mutter erfüllen. Damit werden ihnen jegliche Jugend- und Lebensentscheidungen verweigert.

In vielen Ländern sind die ersten sexuellen Begegnungen vieler Mädchen nicht einvernehmlich. Die Häufigkeit von erzwungenem Sex ist bei Mädchen deutlich höher als bei Frauen. Die Wahrscheinlichkeit gewaltsam zu Geschlechtsverkehr gezwungen zu werden, ist bei Mädchen besonders hoch. Schätzungen nach, wird weltweit jede dritte Frau geschlagen, zum Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt – meistens von jemandem, den sie kennt. Während für die Altersgruppe der 10 bis 14 Jahre keine spezifischen Daten vorliegen, ergab eine Studie aus 133 Ländern, dass jede fünfte Frau als Kind sexuell missbraucht wurde.

Rund 90 Prozent aller Mädchen in Entwicklungsländern, die zwischen 15 bis 19 Jahren schwanger werden, befinden oder befanden sich in einer sogenannten Kinderehe. Oft werden diese Mädchen mit einem erwachsenen Mann früh- oder zwangsverheiratet