In Nigeria zeigt ein Mädchen vor, wie von Plan zur Verfügung gestellte, wiederverwendbare Menstruationsprodukte angewendet werden.
© Plan International/Nubwa Ibrahim - In Nigeria zeigt ein Mädchen vor, wie von Plan zur Verfügung gestellte, wiederverwendbare Menstruationsprodukte angewendet werden. Alle menstruierenden Personen sollten ihre Periode in Würde bewältigen können. Doch Schätzungen zufolge müssen etwa 500 Millionen Menstruierende auf Hygieneprodukte oder saubere Toiletten verzichten.
27.05.2021 - de Plan International

Tag der Menstruation: Periodenarmut immer noch weit verbreitet

Schätzungen zufolge haben etwa 500 Millionen Menstruierende keinen Zugang zu Hygieneprodukten oder sauberen Toiletten. Zum internationalen Tag der Menstruationshygiene vom 28. Mai macht Plan International Schweiz auf diese Problematik aufmerksam. Die NGO fordert, dass alle menstruierenden Personen ihr Grundrecht auf Hygiene wahrnehmen können.

In diesem Moment haben gerade etwa 300 Millionen Mädchen und Frauen auf der Welt ihre Periode. Trotzdem ist die Menstruation immer noch mit viel Scham und Stigma verbunden. Hinzu kommt, dass Millionen Menstruierende sich keine Binden oder Tampons leisten können. Zusätzlich mangelt es in vielen Teilen der Welt an geeigneten Sanitäranlagen. In mehr als einer von drei Schulen (37 Prozent) gibt es keine sauberen, nach Geschlechtern getrennten Toiletten. Das führt dazu, dass Mädchen bis zu 24 Tage Schulunterricht pro Jahr verpassen. 

Unverhältnismässige Preise

Rashid Javed, CEO von Plan International Schweiz, erläutert: „Alle Mädchen und Frauen sollten Menstruationsartikel zur Verfügung haben und geeignete sanitäre Anlagen nutzen können. Doch die Preise für Binden zum Beispiel übersteigen oft weitaus das verfügbare Budget. In Guatemala kosten zwölf Stück Binden zwei US-Dollar. Für den gleichen Betrag kann sich eine Familie 1,5 Kilo Reis oder Bohnen kaufen und so die Ernährung für fünf Tage sichern. Solche Preise führen dazu, dass Mädchen auf Notlösungen wie Blätter, Zeitungen oder alte Stofflappen zurückgreifen müssen. Die Corona-Krise hat die Periodenarmut verstärkt. Für viele Familien sind Menstruationsartikel ein Luxus, den sie sich nicht leisten können, weil sie das Geld für andere überlebensnotwendige Güter brauchen.“

Stigmatisierung mit fatalen Konsequenzen

Stigmatisierung und Scham erschweren das Leben von Menstruierenden zusätzlich: In einer Befragung von Plan International in Indonesien sagten 39 Prozent der Schulmädchen, dass sie aufgrund ihrer Periode schon einmal von ihren Klassenkameraden beschimpft wurden. In Indien und Nepal können Mädchen und Frauen in manchen Gemeinden nicht in ihrem eigenen Haus schlafen, wenn Sie menstruieren. In anderen Ländern dürfen sie zum Beispiel nicht kochen, nicht baden, keine Hausarbeit verrichten oder mit Männern und Jungen interagieren. In Kenia nahm sich 2019 eine 14-jährige Schülerin das Leben, weil sie von ihrem Lehrer wegen eines Blutfleckes in der Kleidung vor der gesamten Klasse verhöhnt worden war. „Menstruierende müssen ihre Periode in Würde bewältigen können. Die Diskriminierung und Stigmatisierung muss aufhören. Plan International arbeitet in zahlreichen Projekten daran, Nachteile für Mädchen und Frauen aufgrund ihrer Periode langfristig abzubauen“, so Rashid Javed weiter.

Aufklärung und Hilfe zur Selbsthilfe

Plan International setzt verschieden Projekte um, um Periodenarmut zu beenden und Einstellungen zu ändern. Zum Beispiel stellen Mädchen in Bangladesch selbst Binden her oder in Ghana setzen sich Jungen dafür ein, mit dem Tabu Menstruation zu brechen. In Gesundheitsschulungen lernen Mädchen und auch Jungen, wie der weibliche Zyklus funktioniert und wie sie sich vor Infektionen schützen können. Zudem verteilt Plan in Krisensituationen und nach Katastrophen Menstruationssets, die Binden, Seife oder andere Hygieneartikel enthalten.



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