Ihre Patenschaft in Indien fördert die Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungen.
Ihre Patenschaft in Indien fördert die Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungen. © Plan/Dirk Bartling

Patenschaft und Spenden für Kinder in Indien

Die große Vielfalt an Völkern und Sprachen stellt Indien vor besondere politische und administrative Herausforderungen. Einer hochentwickelten Technologieindustrie im Süden des Landes steht eine zusehends verarmte Landbevölkerung im Norden gegenüber, die in die Slums der Großstädte abwandert. Plan International verlagert seine Programmarbeit deshalb zunehmend in den extrem armen Norden und hilft hier das Leben von Kindern zu verbessern. Helfen auch Sie mit Ihrer Spende.

Ein Überblick

Indien erstreckt sich über den Großteil des südasiatischen Subkontinents. Es gliedert sich in drei Zonen: das Himalayagebirge im Norden, die anschließende Indus- und Gangesebene sowie das Tafelland im Süden. Das Klima ist subtropisch bis tropisch und stark vom Monsun geprägt. Der Portugiese Vasco da Gama war der erste Europäer, der im Jahr 1498 den Seeweg nach Indien entdeckte. Ab 1505 eroberte Portugal kleinere Küstenstützpunkte. Von 1756 an unterwarf die britische Ostindien-Kompanie von ihren Hafenstützpunkten im heutigen Kolkata, Chennai und Mumbai aus weite Teile Indiens und verdrängte den Einfluss der europäischen Kolonialmächte Portugal, Niederlande und Frankreich.

1857 lehnten sich Teile der Bevölkerung Nordindiens im sogenannten Sepoy-Aufstand gegen die Herrschaft der Ostindien-Kompanie auf. Der Aufstand konnte erst nach Monaten niedergeschlagen werden. In Folge des Aufstands wurde die Ostindien-Kompanie durch den Government of India Act 1858 aufgelöst und Britisch-Indien zu einer formellen Kronkolonie. Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mohandas Karamchand Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit. Am 26. November 1949 trat Indien dem Commonwealth of Nations bei und am 26. Januar 1950 trat die vor allem von Bhimrao Ambedkar ausgearbeitete Verfassung in Kraft, durch die Indien zur Republik wurde.

Zur Situation heute

Seit Juli 2012 ist Pranab Kumar Mukherjee Staatspräsident. Als größte Demokratie der Welt ist Indien geprägt durch eine beträchtliche Vielfalt von ethnischen Gruppen, Religionen und Sprachen (23 Amtssprachen).

Einer hochentwickelten Technologie und Wissenschaft, boomenden Film- und Medienindustrie sowie weiteren erfolgreichen Industriezweigen steht eine zusehends verarmte Landbevölkerung gegenüber, die in die Slums der Großstädte abwandert. Zunehmende Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Trockenheit machen wirtschaftliche und soziale Erfolge immer wieder zunichte.

Plan International in Indien

Plan International nahm die Arbeit 1979 in Indien auf. 2017 erreichten wir mit unserer Arbeit das Umfeld von über 57.000 Patenkindern und ihren Familien. Wir konzentrieren uns mit unserer Programmarbeit immer mehr auf den ärmeren Norden des Landes.

Arbeitsansatz von Plan International

Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit und für Kinder arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Die Gemeinde trägt Verantwortung für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit gesichert wird, auch nachdem wir unsere Arbeit in diesem Gebiet beendet haben. Von zentraler Bedeutung ist es daher, überholte Denkweisen zu ändern und die Kompetenzen von Gemeindemitgliedern zu stärken, damit sie sich mit den Herausforderungen ihrer Gemeinden aktiv auseinandersetzen können. Dies trägt dazu bei, strukturelle Kinderarmut zu beseitigen.

Da der Staat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte spielt, arbeiten wir mit Regierungsstellen zusammen und unterstützen sie darin, ihre Verpflichtungen gegenüber den Gemeindemitgliedern wahrzunehmen und vorhandene Gesetze und Vorgaben umzusetzen. Gleichzeitig informieren wir die Menschen in den Gemeinden über ihre Rechte und bestärken sie darin, diese einzufordern. Wir setzen uns besonders für ausgegrenzte und benachteiligte Kinder ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und den Kreislauf von Diskriminierung, gesellschaftlicher Nichtteilhabe und Kinderarmut durchbrechen können.

Herausforderung: Schlechte Gesundheitliche Versorgung

Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist noch immer sehr hoch, was vor allem auf die schlechte gesundheitliche Versorgung vor und während der Geburt zurückzuführen ist. Es fehlt an Gesundheitseinrichtungen und gut ausgebildetem Personal, das schwer zu finden ist, da nur geringe Löhne gezahlt werden. Viele Frauen bringen ihre Kinder noch immer ganz ohne medizinische Unterstützung zur Welt.

Ausserdem leiden in Indien viele Frauen an Mangelernährung. Dies hat zur Folge, dass Kinder während der Schwangerschaft nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden und untergewichtig auf die Welt kommen. Mangelernährung in jungen Jahren hat schwerwiegende Auswirkungen auf die spätere Entwicklung der Kinder und macht sie anfälliger für Krankheiten.

Da viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und Toiletten haben, sind die hygienischen Bedingungen vielerorts so schlecht, dass insbesondere Kleinkinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Durchfall- und Atemwegserkrankungen sterben.

 

Plan-Programm: Verbesserung der Gesundheitsversorgung, insbesondere für Kinder und Mütter

Gemeinsam mit der indischen Regierung arbeiten wir daran, die Gesundheitsversorgung im Land zu verbessern. Auf Gemeindeebene ermutigen wir die Menschen dazu, sich für ihr Recht auf medizinische Versorgung einzusetzen, damit sie mehr von den Bemühungen der lokalen und nationalen Behörden profitieren.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Plan International ist die Verbesserung der gesundheitliche Situation von Müttern, indem Frauen einen besseren Zugang zu Informationen und qualitativen Gesundheitsdiensten erhalten. Um die Mütter- und Kindersterblichkeit zu verringern, setzen wir uns dafür ein, dass die gemeindegestützte Gesundheitsversorgung gestärkt wird. Darüber hinaus erweitern wir den Zugang zu Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit insbesondere für Mädchen und Frauen. Durch unsere Aufklärungsarbeit kann beispielsweise verhindert werden, dass HIV-infizierte Mütter die Krankheit bei der Geburt auf ihre Kinder übertragen.

Um die hygienischen Bedingungen für die Menschen zu verbessern, fördern wir  den Bau von Latrinen und schulen gesundheitsgerechtes Verhalten sowie den richtigen Umgang mit Abfällen aller Art. Um insbesondere Kleinkinder vor lebensgefährlichen Krankheiten zu schützen, brauchen die Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Haushalte, Schulen und Kindergärten müssen mit sanitären Anlagen ausgestattet werden.

Herausforderung: Mangelnde frühkindliche Förderung und qualitative Schulbildung

2009 verabschiedete das indische Parlament erstmals ein Bildungsgesetz, das allen Mädchen und Jungen zwischen sechs und 14 Jahren das Recht auf kostenlosen Schulbesuch gewährt. Allerdings weist das Bildungssystem Schwächen auf: Es fehlt an Einrichtungen zur frühkindlichen Förderung, die entscheidend dazu beitragen, den Grundschulstart zu erleichtern. Die Inklusion von Kindern mit Behinderungen muss verbessert werden. Auch konnte das Problem der hohen Schulabbruchraten bisher nicht gelöst werden.

Viele Schulen sind schlecht ausgestattet und die Lehrkräfte sind häufig nicht hinreichend ausgebildet. Darüber hinaus fällt der Unterricht zu oft aus, was dazu führt, dass Kinder trotz Schulbesuchs kaum Lesen und Schreiben können.

Plan-Programm: Frühkindliche Förderung und qualitative Schulbildung

Die meisten Familien, mit denen wir zusammenarbeiten, leben von weniger als zwei US-Dollar am Tag. Ihre wirtschaftliche Situation ist unsicher. Kommt es zu unerwarteten Katastrophen, Krankheitsfällen, Ernteausfällen oder einem Anstieg von Grundnahrungsmittelpreisen, verlieren die Familien ihre Lebensgrundlage. Dies hat vor allem für die Kinder besonders negative Auswirkungen. So sind sie gezwungen, die Schule abzubrechen oder müssen zum Teil schädlichen oder gefährlichen Arbeiten nachgehen.

 

Plan-Programm: Wirtschaftliche und soziale Sicherung

Wir setzen uns dafür ein, dass insbesondere junge Frauen Zugang zu Ausbildungsmöglichkeiten haben. Durch berufliche Qualifizierungsmaßnahmen bereiten wir Jugendliche und junge Erwachsene auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vor. Zusammen mit lokalen Organisationen verschaffen wir bedürftigen Familien Zugang zu Finanzdienstleistungen, wie Spargruppen, Mikrokredite oder Versicherungen. Insbesondere Frauen erhalten eine Förderung und Schulungen, um das Einkommen ihrer Familien zu sichern. Darüber hinaus unterstützen wir Jugendliche dabei, sich zu vernetzen, damit sie an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilnehmen und sich gemeinsam für ihre Rechte einsetzen können.

Herausforderung: Mangelnder Kinderschutz

Die Kinderrechtssituation ist in Indien noch immer alarmierend. Viele Kinder zwischen fünf und 14 Jahren gehen schwerer und zum Teil schädlicher Kinderarbeit nach. Jährlich werden über 44.000 Kinder vermisst, vor allem in Delhi. Viele Mädchen und Jungen haben keine Geburtsurkunde. Diese ist wichtig, um das Alter eines Kindes festzuhalten, um es beispielsweise vor ausbeuterischer Arbeit oder sexuellem Missbrauch zu schützen. Mehr als die Hälfte der Mädchen, vor allem in den ländlichen Gebieten, werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet und gebären ihr erstes Kind. Sexuelle Belästigung und Missbrauch nehmen zu. Obwohl es gesetzlich verboten ist, werden weibliche Föten abgetrieben oder weibliche Säuglinge so vernachlässigt, dass sie an den Folgen sterben.

Plan-Programm: Kinderrecht stärken

Wir klären Kinder, Jugendliche und Erwachsene über Kinderrechte auf, um so Einstellungs- und Verhaltensänderungen herbeizuführen. Wichtigste Themen sind Kindesmissbrauch, Abtreibung weiblicher Föten, Kinderheirat und sexualisierte Gewalt. Insbesondere Jungen und Männer binden wir verstärkt in diese Programmarbeit ein.


Ferner beteiligen wir uns am Aufbau von funktionierenden staatlichen Kinderschutzeinrichtungen. Obwohl die indische Regierung Gesetze zum Schutz von Kindern erlassen hat, sind sie innerhalb der Bevölkerung kaum bekannt und finden seitens der Behörden wenig Anwendung. Daher verstärken wir unsere Anstrengungen in diesem Bereich, um den Kinderschutz landesweit zu gewährleisten.

Auf Gemeindeebene engagieren wir uns dafür, dass Kindesschutzstrukturen aufgebaut werden, um diese in die bestehenden staatlichen Systeme zu integrieren. Darüber hinaus fördern wir die Partizipation von Kinder und Jugendlichen an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen, indem wir Kinderklubs und Jugendkomitees unterstützen. Kinder und Jugendliche lernen ihre Rechte kennen und wissen, wie sie sich selbst für diese einsetzen können.

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